„Don’t buy a book by its cover!“ – Dieser Tipp gilt in diesem Fall in besonderem Maße, denn was haben wir denn hier? Einen „Cosy Crime“-Schmöker, in dem Hochbeet-Liebhaberin Erna in einem brisanten Mordfall zwischen Gurkensetzlingen und Rhabarber ermittelt? Oder True Crime im Blumenbeet? Mit einem kurzen Blick auf das Cover ist diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten. Der Untertitel liefert schließlich die Auflösung: Mysteriöse Kriminalfälle in deinem Garten. Ein Sachbuch also – das macht durchaus neugierig…

Titel: Mord im Nacktschnecken-Milieu – Mysteriöse Kriminalfälle in deinem Garten
Autorin: Elke Schwarzer
Originaltitel: –
Übersetzung: –
Verlag: Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
Erscheinungsjahr: 2026
Seitenzahl: 137
Reihe: –
Inhalt
Die Natur als kriminelles Netzwerk: Unter den Gartenbewohnern herrscht ganz schön viel verbrecherische Energie – Leserinnen und Leser dürfen in Elke Schwarzers neuem Ratgeber Detektiv spielen, um die Übeltäter zu entlarven.
Von Klau am Bau bis hin zu Summ mir das Lied vom Tod werden hier zwanzig illegal anmutende Beobachtungen im eigenen Garten vorgestellt und als „Fallakte“ aufbereitet. Je nachdem, ob etwas zerstört wurde, etwas fehlt oder ob es Leichen gibt, finden sich die Delikte in den Kapiteln Einbruch & Vandalismus, Raub & Diebstahl sowie Mord & Totschlag wieder.
Jeder Kriminalfall beginnt mit einer kurzen Einführung in den Tatbestand, gefolgt von Tatortbeschreibung, Indizienlage und Zeugenaussagen. Anschließend werden verschiedene Verdächtige vorgestellt, bevor der Täter schließlich überführt, das Motiv klar und der Fall damit gelöst ist. Zu guter Letzt erfahren wir in Form eines praktischen Tipps, wie wir als Gärtner/innen sinnvoll mit der Tat umgehen und sie verhindern können oder warum wir genau das eben nicht tun sollten.
Viele Fotografien, die größtenteils von der Autorin selbst stammen, sowie Zeichnungen von Insekten und anderen „Übeltätern“ veranschaulichen die Vorkommnisse am Tatort.

Meine Gedanken
Als Highlights hervorheben möchte ich die großartig gezeichneten „Phantombilder“ der Täter, die Auswahl der vorgestellten, dem Laien eher unbekannten Naturphänomene und nicht zuletzt den Schreibstil der Autorin. Die Diplombiologin schafft es, einen lockeren und humorvollen Zugang zu Fachthemen zu finden und dem Leser ihr Wissen stets ohne Fachjargon und mit einem Augenzwinkern nahe zu bringen, sodass man sich nach jedem abgeschlossenen Fall sowohl schlauer als auch gut unterhalten fühlt. Das Verpacken in Kriminalfälle mag zwar eine originelle Idee sein, aber unter Umständen hätte eine Sammlung an Krimi-Kurzgeschichten den Stil der Autorin noch besser zur Geltung gebracht.
Leider funktioniert auch das im Vorwort angekündigte Detektivspielen und Mitraten nur bedingt, was sowohl an der Auswahl der „spoilernden“ Informationen liegt, die in den Beschreibungen der Verdächtigen verarbeitet werden, als auch am Block „Detaillierte Täterbeschreibung“, der aufgrund der etwas fragwürdigen Formatierung der Seiten (aus Platzgründen?) inmitten der Verdächtigen zu finden ist. Beides zusammengenommen nimmt die Lösung in den meisten Fällen bereits vorweg und beides hätte durchaus noch etwas überdacht werden können, damit die gewünschte und den Leser/innen im Vorwort angekündigte Spannung auch tatsächlich erzeugt wird.
Mord im Nacktschnecken-Milieu eignet sich weniger zum Lesen an einem Stück, dafür aber hervorragend, wenn man gerade wenig Zeit oder den Kopf für Bücher hat, sich abends vor dem Schlafengehen noch zehn Minuten Lesezeit gönnt und damit einen der Fälle „durcharbeiten“ kann. Im Spätwinter macht es auf jeden Fall Lust auf den bald wieder in voller Blüte stehenden Garten.
Fazit
Ein kreativer und unterhaltsamer Gartenratgeber mit Expertenwissen als Basis – Schreibstil top, fachlicher Hintergrund top, Struktur und Aufbau des Buches dagegen leider nicht bis zum Ende durchdacht

Deutscher Gartenbuchpreis 2025 für Elke Schwarzer
Ja, auch den gibt es – den „Deutschen Gartenbuchpreis“ für den Gartenfachbuchhandel. Firma Stihl zeichnet damit seit 2006 jährlich innovative Gartenbücher, E-Books, Creators sowie Gartenfotografinnen und -fotografen in verschiedenen Kategorien aus und möchte damit ein Zeichen für die Wertschätzung und Weiterentwicklung der Gartenkultur in Deutschland und Europa setzen.
Elke Schwarzer wurde 2025 mit ihrem Instagram-Account Günstig gärtnern als „Beste Garden-Creatorin“ geehrt. Daneben betreibt die Biologin einen gleichnamigen Gartenblog, dem sie nicht nur mit spritzigen Texten, sondern auch mittels zahlreicher eigener Naturfotografien Leben einhaucht.

Quelle:
- Deutscher Gartenbuchpreis (o. D.): Die Auszeichnung für Gartenbücher und ihre Macher. https://www.gartenbuchpreis.de/ (Abrufdatum 03.03.2026).