Hier bin ich eindeutig mal wieder „late to the party“… So gerne wollte ich Joanas Buch, das mir netterweise von Vorablesen und dem pola Verlag zur Verfügung gestellt wurde, rechtzeitig zum Erscheinungstermin rezensieren – aber das Leben kam wieder mal dazwischen… Ich weiß aber, dass Joana auch nachträglich noch gerne Glückwünsche annimmt. Also: Happy Release Day, Bestie! 🙂

Titel: „Bestie“
Autorin: Joana June
Originaltitel: „Bestie“
Verlag: pola Verlag (1. Auflage, 2025)
Erscheinungsjahr: 2025
Seitenzahl: 336
Reihe: –
Inhalt
Joana June erzählt in ihrem Debütroman die Geschichte zweier Frauen, wie sie auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten: Als Anouk – selbstbewusstes Instagram-Idol mit Instagram-Körper, Instagram-Freundinnen und Instagram-Leben – eine WG-Mitbewohnerin sucht, lädt sie Delia – gescheiterte Bühnenautorin mit gescheitertem Studium, gescheiterter Beziehung und gescheitertem Leben – zur Besichtigung ein. Aber zu diesem Zeitpunkt ist Delia nicht mehr Delia. Ab jetzt nennt sie sich Lilly und als solche scheint sie perfekt in Anouks Glamourwelt zu passen. Doch vielleicht ist am Ende auch Anouk nicht das, was sie vorgibt zu sein…

Meine Gedanken
Schon der Wortspiel-Titel gibt einen perfekten Vorgeschmack auf den Inhalt: „Bestie“ wie „beste Freundin“ oder „Besti-e“ wie „Ungeheuer“? Vielleicht beides?
Joana jongliert mit Worten, ohne dabei zu übertreiben, spielt mit Textsorten und Stilmitteln und nimmt den Leser mit auf eine Art „sprachliche Yoga-Reise“.
Wir erfahren die Story sowohl aus Anouks, als auch aus Delias Sicht und bekommen nach und nach immer mehr Einblicke in das Leben, die Geschichte und die Emotionen beider Frauen. Gesellschaftskritisch und mit feministischem Blick wird das Leben als immer-funktionieren-müssende Influencerin beleuchtet. Der Fokus liegt dabei eindeutig auf der Herausarbeitung der Charaktere und der ihres sozialen Umfelds. Wer also gerne handlungsintensive Romane liest, kommt hier vielleicht nicht unbedingt auf seine Kosten. Liebhaber unsympathischer und unangenehmer Romanfiguren (wie ich es bin) sind bei „Bestie“ allerdings absolut an der richtigen Adresse. Einen Charakter, mit dem man im echten Leben befreundet sein wollen würde, sucht man hier eine Weile… Ganz deutlich wird hier die Tatsache, dass es toxische Beziehungen auch ohne romantischen Hintergrund geben kann.

Am Ende hatte ich das Gefühl, Anouk als Person näher gekommen zu sein als Delia. Über deren Vergangenheit sowie familiäres Umfeld hätte ich gerne noch ein klein wenig mehr erfahren, um ihr Wesen und all ihre Eigenheiten hundertprozentig verstehen und nachvollziehen zu können.
Was „Bestie“ für mich als Followerin zum absoluten Lese-Erlebnis macht ist die Tatsache, dass Joana ganz offensichtlich hier ein Stück ihrer Seele aufs Papier gebracht hat. Die Verbindungen zu ihrer Person reichen vom Offensichtlichen (Freud und Leid im Leben einer Influencerin) bis ins winzigste Detail, wie z. B. die nur ganz kurze Erwähnung des Hamburger Portugiesenviertels. Diese vielen kleinen „Easter Eggs“ verleihen der Geschichte so viel Wiedererkennungswert und machen sie für mich zu der, die sie ist.
Danke Joana, mehr davon!

Buchtipp
Was gäbe es für einen besseren Weg, in die Denkweise eines Autors oder einer Autorin einzutauchen als die Lektüre dessen bzw. deren Lieblingsbücher. Daher sei Dir an dieser Stelle ein Titel ans Herz gelegt, der auf Joanas Kanälen allgegenwärtig ist und über das sie niemals müde wird zu erzählen: „Auf Erden sind wir kurz grandios“ von Ocean Vuong – die gleichermaßen poetische wie tragische Geschichte eines vietnamesischen Auswanderers in die USA auf der Suche nach seiner Geschichte, sich selbst und seiner Zukunft.
