
All-Inclusive Urlaub bedeutet meistens Pool, Strand und Essen – sehr viel Essen! Doch hält man die Augen offen, wird auch hin und wieder ein wenig Futter für’s Gehirn geboten, zum Beispiel in Form einer kleinen Einführung in die jeweilige Landessprache.
Im Herzen Individualurlauberin, verschlägt es mich auf Wunsch diverser Familienmitglieder selten aber doch in ein Hotel in einer beliebten und gut besuchten Urlaubsregion – wie jetzt gerade ins TUI Blue Sarıgerme Park an der ägäischen Mittelmeerküste im Südwesten der Türkei.

Mit zum Freizeitprogramm gehört dort regelmäßig ein 45-minütiger Türkisch-Sprachkurs für Anfänger mit Englisch oder Deutsch als Basissprache, der von Hotelgästen kostenfrei besucht werden kann. Meine Türkisch-Kenntnisse gehen über ein einfaches „Danke.“ nicht hinaus, daher packe ich die Gelegenheit beim Schopf, den hoteleigenen Sprachkurs „Englisch – Türkisch“ auf Herz und Nieren zu prüfen.

Treffpunkt ist an der Bar, für eine gemütliche Atmosphäre ist also auf jeden Fall gesorgt. Aber jetzt bin ich gespannt, wer den Kurs wohl leiten wird. Zieht einer der Barmänner die Schürze aus, stellt seinen Cocktailshaker auf die Seite, packt ein paar Brocken Englisch aus und schlüpft kurzerhand in die Rolle eines Sprachlehrers? Das ist tatsächlich nicht der Fall: Unsere kleine Gruppe – bestehend aus meiner Familie, einer weiteren Deutschen sowie einem britischen Pärchen – wird von einem sehr charismatischen türkischen Englischlehrer namens Berk empfangen.
Er teilt gleich zu Beginn Kugelschreiber und ein vierseitiges Handout aus, das aus einer Auflistung türkischer Ausdrücke, jeweils mit Übersetzung und „Aussprachehilfe“, besteht. Gegliedert sind diese Wörter nicht, außerdem eher willkürlich ausgewählt, aber zumindest in einer sinnvollen groben Reihenfolge angeordnet: Ausdrücke aus dem Alltag, Zahlen, Lebensmittel und Getränke, Farben, Tiere, Obst und Gemüse, Kleidung, Körperteile.

Als Icebreaker entscheidet sich Berk für eine schnelle Brainstorming-Runde über die den Teilnehmer/innen bereits bekannten türkischen Wörter. Der Kurs selbst besteht dann im Wesentlich darin, dass Berk die Liste an Ausdrücken durchgeht, dabei deren Aussprache erklärt und sie die Gruppe wiederholen lässt. Diese Methode führt nicht unbedingt dazu, dass viele Wörter sofort hängen bleiben, aber zumindest bekommt man ein Gefühl für die Aussprache, die für Deutschmuttersprachler/innen, denen Umlaute bereits geläufig sind, relativ einfach ist. Wer dann noch das rollende R beherrscht, hat mit der Aussprache des Türkischen überhaupt keine Probleme. Unsere britischen Mitstreiter/innen dagegen haben mit den vielen ö’s und ü’s zu kämpfen und beißen sich an meiner absoluten Lieblingsgrußformel Görüşürüz! „Wir sehen uns!“ buchstäblich die Zähne aus.
Die letzte Seite des Handouts umfasst das türkische Alphabet, das uns Berk im Schnelldurchlauf vorstellt und uns je ein Beispielwort aus dem Englischen und dem Türkischen an die Hand gibt.

Berk bezieht alle Teilnehmer/innen (auch unsere Einjährige;-) in den Kurs mit ein, stellt Vergleiche zu deren Muttersprachen an und beantwortet bereitwillig Fragen nach bestimmten Ausdrücken. Er erklärt, in welcher Situation welche Floskeln üblich sind und lässt so auch den kulturellen Aspekt ein wenig mit einfließen. Im Rahmen der vorgestellten Phrasen bekommen wir stellenweise kurze Einblicke in Wortstellung und Satzbildung. Als es an die Bildung zweistelliger Zahlen geht, bekommt jede/r eine Miniaufgabe zu lösen. Was auffällt: Berk schweift immer nur kurz ab, um dann schnell und geschickt wieder zu seinem Programm zurückzukehren.
Da es sich beim Türkischen wie bei allen Turksprachen um eine stark agglutinierende Sprache handelt, wäre die Grammatik der spannendste Aspekt, Berk lässt sich auf Diskussionen diesbezüglich aber leider nicht wirklich ein;-) Aus verständlichen Gründen, denn die Aneinanderreihung der vielen Suffixe, die gerne mal einen kompletten Satz in einem einzigen Wort verpacken können, ist nicht unkompliziert und eine besondere „Denkhürde“ für Sprecher/innen flektierender Sprachen.
Dank Berks charmanter und positiver Art geht die Dreiviertelstunde viel zu schnell vorbei, ich hätte nichts gegen noch ein paar Unterrichtseinheiten mehr während unseres Urlaubs. Berk läuft uns aber in den nächsten Tagen zumindest immer wieder auf dem Hotelgelände über den Weg und ist immer offen für Fragen und motiviert für ein „Gespräch“ mit seinen ehemaligen Schüler/innen…

Mein Fazit zum Türkisch-Crashkurs im Hotel:
Insgesamt wurde viel mehr Inhalt und trotz aller Situationskomik mit mehr Ernsthaftigkeit vermittelt als gedacht. Am Ende saßen die wichtigsten Basisausdrücke sowie die Aussprache des kompletten Alphabets. Was die Struktur der Sprache und ihr Regelwerk betrifft, darf man aufgrund der Kürze der Zeit nicht allzu viel erwarten, aber es wurde genug Interesse geweckt, um nachträglich selbst zu recherchieren.
Doch das beste an einem Crashkurs direkt am Urlaubsort ist das Allgegenwärtige der Fremdsprache und die Möglichkeit, das Gelernte unmittelbar in verschiedenen Situationen anzuwenden. Das einheimische Personal freut sich sehr über ein paar Worte in seiner Muttersprache und amüsiert sich köstlich über die ersten wackeligen Satzkonstruktionen (z.B. unsere Kellnerin über Bu pipetler rezalet. „Diese Strohhalme sind eine Schande.“;-) und auch den hartnäckigsten Verkäufern konnten wir bei einem Spaziergang im touristischen Dalyan mit einem gespielt entrüstet vorgebrachten Çok pahalı, çok pahalı! „Zu teuer, zu teuer!“ ein Schmunzeln entlocken.
Fremdsprachen büffeln im Urlaub? Ein ganz klares „Top“!